Verankerung an den Hochschulen

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Strukturelle Einführung

Drei Säulen zur Einführung von E-Prüfungen

In der Vergangenheit haben Niedersächsische Hochschulen z.B. Fördermittel erhalten für den Aufbau von E-Learning-Infrastruktur oder die Einführung von Lernmanagementsystemen. Ein Beispielprojekt ist das E-Learning Academic Network (ELAN), das technische und personelle Voraussetzungen vor Ort geschaffen sowie hochschulübergreifende Netzwerke aus E-Learning Akteuren aufgebaut hat. Für die Hochschullehre hatte dies insbesondere zwei Konsequenzen: zum einen waren E-Learning-Elemente damit hochschulweit verfügbar und zum anderen waren die Lehrenden deshalb eher bereit, diese zur Anreicherung ihrer Veranstaltungen einzusetzen.

Im Ergebnis eines erfolgreich durchgeführten E-Learning-Projekts sind also i.d.R. Erkenntnisse, Kontakte und eine grundlegende Infrastruktur an der Hochschule vorhanden. Zudem existieren Mitarbeiter vor Ort, die sich mit Technik, Organisation und Besonderheiten ihrer Hochschule auskennen. Ein solches Projekt ist somit eine solide Grundlage für weitere Einführungsaktivitäten. Drei Elemente haben sich dabei als wichtig in Einführungsprojekten herausgestellt: der Einsatz zuständiger Ansprechpartner vor Ort, eine hochschulübergreifende Begleitung sowie ein beratendes Netzwerk aus Experten im Hintergrund.

Die folgenden Abschnitt gehen näher auf diese Elemente ein, jeweils bezogen auf die Einführung von E-Assessments und E-Prüfungen. Ein Beispielprojekt, das genau diese Strategie verfolgt und eine entsprechende Einführung an den Niedersächsischen Hochschulen vorantreibt, ist das Niedersächsische Netzwerk für E-Assessments und E-Prüfungen (N2E2).

Ansprechpartner vor Ort

Ein Mitarbeiter direkt vor Ort kann die notwendige technische Infrastruktur einrichten und betreuen, individuelle fachspezifische Anforderungen abfragen, verschiedene Prüfungssysteme evaluieren, installieren und gemäß der Anforderungen der Hochschule anpassen oder entsprechend erweitern. Zudem kann er den Einsatz dieser Technologien an seiner Hochschule bewerben, Verwendungsmöglichkeiten und Szenarien, aufzeigen, Lehrende im Umgang mit den Systemen schulen und beraten, sie bei der Durchführung unterstützen und bei Fragen oder Problemen z.B. per Hotline zur Verfügung stehen.

Die Erfahrung zeigt, dass Hochschulmitarbeiter deutlich eher bereit sind, mit Kollegen vor Ort zu kooperieren als mit unbekannten (und womöglich externen) Dritten, deren Motivation zunächst unklar ist und die sie seltener zu Gesicht bekommen. Durch Einbindung von bzw. Zusammenarbeit mit etablierten Serviceeinrichtungen einer Hochschule, z.B. dem E-Learning-Kompetenz- oder Hochschulrechenzentrum, kann der Ansprechpartner zudem auf die Schaffung organisatorischer, rechtlicher und politischer Rahmenbedingungen hinwirken.

Hochschulübergreifende Begleitung

I.d.R. halten Hochschulen E-Assessment- oder E-Prüfungstechnologien zur Anreicherung der Lehre nicht flächendeckend vor. Dennoch gibt es häufig einzelne Lehrende, die z.B. über Verbundprojekte bereits Erfahrungen mit deren Einsatz gesammelt haben. Ein Beispiel ist das Projekt Projekt E-Übungen an der Hochschule Ostfalia.

Um nun Einführung und Ausbau von E-Assessments und E-Prüfungen zu unterstützen, bietet sich eine hochschulübergreifende Begleitung an. Diese steht als Bindeglied zwischen erfahrenen Experten und den Interessenten und erleichtert den Know-how-Transfer. Eine koordinierende Stelle kann z.B. die Aktivitäten an unterschiedlichen Standorten methodisch begleiten, Ansprechpartner und Experten vor Ort identifizieren, deren Erfahrungen einbeziehen, Erkenntnisse, Informationen und Best Practices sammeln, in Übersichten, Checklisten, Leitfäden oder Handbüchern aufbereiten und diese für sämtliche Beteiligten bereitstellen. Informationsveranstaltungen können Hochschullehrende auf den Nutzen von E-Prüfungen aufmerksam machen, Workshops zudem notwendige Kenntnisse zum angemessenen Einsatz in der Lehre vermitteln.

Darüber hinaus kann eine hochschulübergreifende Organisation weitere Fachexperten vorhalten. Will eine Hochschule nämlich den Einsatz von E-Assessments oder E-Prüfungen nur erproben, z.B. motiviert durch projektbezogene Anschubfinanzierung, rechnet es sich insbesondere für kleine Hochschulen nicht, diese Experten jeweils einzustellen. Diese Experten könnten u.a. unterstützen bei

  • Software für Lehre, Studium und deren Management (z.B. Assessment-Systeme, Plugins, Anbindung an Prüfungsverwaltung)
  • Rechtsfragen bei E-Klausuren (z.B. Erarbeiten eines Leitfadens, Anpassung der Prüfungsordnungen)
  • Video- und Multimediatechnik (z.B. zur Integration in die verschiedenen Aufgabentypen)
  • Einbindung in die landesweite Authentifizierungs- und Autorisierungsinfrastruktur

Expertennetzwerk im Hintergrund

Ein hochschulübergreifendes Expertennetzwerk besteht aus den Lehrenden, die bereits Erfahrungen beim Einsatz von E-Assessments und E-Prüfungen gesammelt haben. Es kann unterstützend helfen, beratend eingreifen und seine Best-Practices teilen. Im Rahmen weiterer Forschungsprojekte können die Experten neue Itemformen, Einführungs- und Einsatzstrategien oder Erweiterungen entsprechender Szenarien entwickeln. Ein solcher Verbund erlaubt zudem die Erprobung verschiedener Technologien und Szenarien, ohne dass eine Hochschule diese Komplettleistung alleine übernehmen muss. Damit profitiert jede Hochschule von Erfahrung und Ideen der anderen. Zudem gestattet dieser Ansatz den Aufbau und Zugriff von Kompetenz ohne Aufbau eines eigenen E-Prüfungszentrums.

Methodische Begleitung

Aufeinander aufbauende Einführungsphasen

Eine Einführung von E-Assessments und E-Prüfungen sollte sich in die generelle Prüfungsstrategie der Hochschule eingliedern. So gibt es Hochschulen, die Prüfungsfragen explizit herausgeben, damit sich Studierende im Vorfeld damit beschäftigen und sich entsprechend vorbereiten können - da das zugehörige Wissen bezogen auf die Fragen genau das ist, was sie lernen sollen. Andere Hochschulen hingegen sehen Prüfungsfragen als geheim an und sorgen dafür, dass Studierende keine Notizen mit aus Prüfungen nehmen, um so die Wiederverwendbarkeit der Fragen zu erhöhen und Fragesammlungen unter Studierenden zu vermeiden. Die Wahl einer geeigneten Metapher wie z.B. die Elektronisierung bereits in schriftlicher Form vorliegender Prüfungen kann darüber hinaus die Einführung elektronischer Verfahren erleichtern.

Damit Lehrende E-Assessments und E-Prüfungen in ihre Lehrveranstaltungen integrieren können, ist zunächst eine hochschulweite Infrastruktur aufzubauen. Diese besteht idealerweise aus zuverlässigen Technologien, qualifizierten Mitarbeitern für Betrieb, Erweiterung und Schulung sowie aus Lehrenden, die damit umgehen und bei Bedarf darauf zugreifen können.

Die bereits angesprochene hochschulübergreifende Begleitung (als mittlere Säule des vorangehenden Abschnitts) stellt ein Bindeglied zwischen Experten und lokalen Mitarbeitern dar. Sie unterstützt den Know-how-Transfer zwischen diesen und versucht, die geeigneten Rahmenbedingungen herzustellen: Wissen und Erfahrung der Experten einbeziehen, Mitarbeiter vor Ort für die Komplexität des Themas sensibilisieren und qualifizieren sowie hochschulübergreifende Zusammenarbeit fördern. Zu dem Zweck wurde eine Methode entwickelt, die in der nebenstehenden Abbildung illustriert und in den folgenden Abschnitten beschrieben ist.

Bestandsaufnahme und Heranführung

Im ersten Schritt geht es darum, die Ansprechpartner an den einzelnen Standorten zu identifizieren und ihre Zuständigkeiten abzufragen. Rollen, die typischerweise mit E-Assessments oder E-Prüfungen zu tun haben, sind die Folgenden:

  • E-Learning- oder E-Prüfungs-Beauftragter
  • Dozenten und Übungsleiter (Einsatzszenarien)
  • Hochschulrechenzentrum (Rechnerräume mit Ausstattung)
  • LMS-Betreiber (Erweiterungen, Schnittstellen)
  • Zuständige für Betrieb, Installation Administration neuer Software
  • Netzbetrieb (mobiles WLAN, Prüfungsnetz)
  • Prüfungsamt (Prüfungsordnungen)
  • Betreiber des Prüfungsverwaltungssystems (Schnittstellen)
  • Ausleihe/Verleihstelle (Tablet-PCs, Notebooks)
  • Raumbüro (Prüfungsräume, Hörsäle, Ausstattung?)
  • Personalstelle (Prüfungsaufsichten von Nichtfachleuten)
  • Langzeitarchivierung (Hochschulbibliothek)
  • Fremdsprachenzentrum (Sprachtests bereits im Einsatz?, Fragepools vorhanden?)
  • Fachbereiche/Immatrikulationsamt (Tests zur Studienorientierung)
  • Pädagogik (Erforschung von elektronischen Prüfungen, Messbarkeit etc.)

Darüber hinaus hat jede Hochschule ganz eigene Besonderheiten, z.B. eine individuelle Ausstattung mit Rechnern und Rechnerräumen, bereits installierte und verwendete Assessment-Systeme, eigene Prüfungsverwaltungssysteme, typische Prüfungsverwaltungsprozess usw. Diese sind jeweils zu erfassen und als Übersicht über die technische, logistische und personelle Infrastruktur der Hochschule zu verbreiten. Dadurch entstehen zwei Mehrwerte: auf der einen Seite erleichtert dies die Übersicht über die Zuständigkeiten, z.B. falls ein Lehrender neu an die Hochschule gewechselt ist. Auf der anderen Seite können die Rolleninhaber (z.B. der zuständige Mitarbeiter im Prüfungsamt) sehen, wer in der gleichen Rolle an anderen Hochschule tätig sind und sich so mit diesen besser austauschen.

Um die Erfahrung von Experten einbeziehen zu können, geht es in einem weiteren Schritt darum, diese und ihre Aktivitäten rund um E-Prüfungen zu ermitteln und ebenfalls aufzuführen.

Einführung und Verstetigung

    • Identifikation geeigneter Integrationspunkte im Prüfungs(verwaltungs)prozess
    • Hilfestellung bei der Systemauswahl
    • Integration der Systeme in den Prüfungs(verwaltungs)prozess


  1. Befähigung zur Koordination/Durchführung von E-Prüfungen/eAssessments
    • Identifikation von Integrationspunkten im Prüfungsverwaltungsprozess
    • (evtl. Aufwandsabschätzung für Hochschulen individuell)
    • Hilfestellung bei Systemauswahl/bei Integration in Prüfungs(verwaltungs)prozess
  2. Erstellung von Leitfäden/Checklisten zur Orientierung
    • Evaluation des Erreichten, Identifikation von Problembereichen
    • Ableitung allgemeiner.Prüfungsszenarien aus erfolgreichen Versuchen
    • Beschreibung von Best-Practice-Beispielen


Ausbau und Kooperation

    • Entwicklung von Routine bei der Nutzung der Systeme, Verwendung erweiterter Funktionalität
    • Anpassung und Erweiterung eingesetzter Systeme an weitere, neu hinzugekommene, fachtypische Anforderungen
    • Hochschulübergreifender Austausch und Aufbau fachgebietsspezifischer Fragepools


    • Langsames Heranführen an neue Funktionalität
    • Entwicklung von Routine durch regelmäßigen Einsatz (z.B. im Übungsbetrieb)
    • Mut zur Nutzung komplexerer Funktionalität (z.B. adaptive eAssessments)
    • Bis hin zur Herstellungs von Rechtssicherheit, Durchführung elektronischer Klausuren


    • Fachbezogene Erstellung von Fragen und Fragepools
    • Hochschulübergreifender Austausch, Lehrverbünde
    • Rückmeldung an Entwickler (Erfahrungen, Probleme)


Flankierende Maßnahmen

  • wissenschaftliche Begleitung (Tagungen und Ergebnisse), externe Aktivitäten (Einführungsprojekte außerhalb von Nidersachsen)
  • Beteiligung an hochschulübergreifenden Projekten, Einbeziehen der ELAN-Mitglieder als Förderpartner in diese Projekte
  • Informations- und Kooperationsplattform bereitstellen in Form dieses Wikis und eines Blogs, um auf dem aktuellen Stand zu bleiben